Ganzheitliche Betrachtung

Ein wichtiger Schritt zur erfolgreichen Planung einer Lärmwand ist die Erkenntnis, dass diese nicht alleine im Raum steht, sondern Teil eines grösseren Ganzen ist - wie optisch, so auch akustisch.

Der Siedlungsraum

Der Siedlungsraum ist auch im akustischen Sinne als dynamisches Ganzes zu betrachten. Die hauptsächliche Lärmquelle ist der Verkehr, die umliegenden Häuser wirken als aktive Klangkörper: sie können den Klang verstärken, abschwächen, verändern, übertragen, Echos auslösen, Resonanzen erzeugen... Die Topografie, die Position der Häuser, ihre Materialien, ihre Strukturen erzeugen somit eine ausgeprägte Klang-Landschaft, die dem öffentlichen Raum eine Strukur und eine Identität geben kann.

Klangqualität im öffentlichen Raum

Zur Beurteilung können vier Qualitätsstufen des Klangs unterschieden werden: Bedrohlich - Gleichgültig - Erträglich - Angenehm. Auf die vorherrschende Qualitätsstufe haben nicht nur alle möglichen Fassaden / Wände und ihre Oberflächengestaltung einen Einfluss, sondern auch Bodenflächen, Kleinobjekte (Haltestellen, Unterstände, Reklametafeln, Technikschränke, Gartenzäune, Abfalleimer, Bäume etc.) sowie die geometrischen Beziehungen der Oberflächen, ihre Distanz voneinander, ihre Profilierung...

Qualitätsstufen des Klangs

Ziel

Optimalerweise sollte der Siedlungsraum sich durch verschiedene akustische Eigenschaften auszeichnen:

  • Leise Unterhaltungen sind möglich
  • Die Anwesenheit von Nachbarn ist wahrnehmbar
  • Das Geräusch der Stadt ist als Hintergrundrauschen zu vernehmen
  • Verkehrslärm ist nicht permanent präsent und dominiert nicht
  • Es gibt keine Tieftonresonanzfelder (ausgelöst von parallelen grossen Fassaden)
  • Es herrscht eine bestimmte Atmosphäre, die über die Zeit eine gewisse Kontinuität aufweist
  • Klangbewegungen sind über eine grössere Distanz und räumlich verfolgbar (Raumtiefe!)

Lärmwände - Schallpegelreduktion und mehr

Lärmwände sind als Lärmsanierungsmassnahme zu sehen. Primäres Ziel ist eine Schallpegel-Reduktion im Wohnraum. Wie zuvor dargelegt, greift eine Betrachtung allein auf dieser Grundlage jedoch wesentlich zu kurz. Zur akustischen Beurteilung dürfen nicht nur Dezibel eine Rolle spielen: beurteilt werden muss auch die Art, wie sie sich in die bestehende Klanglandschaft einfügen.

Die Errichtung einer Lärmwand kann einen wesentlichen Einfluss auf die Ausbreitung des Schalls im Strassenraum sowie auf die Klangqualität haben. Dieser kann positiv oder negativ sein. Genauso besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Wirkung vernachlässigbar bleibt, weil andere Faktoren die Barrierewirkung 'übersteuern'! Eine eingehende akustische Analyse ist daher unumgänglich, wenn gewissenhaft vorgegangen werden soll.

Links

Lärminfo 17: Klangraumgestaltung - Chancen im Lärm (Fachstelle Lärmschutz Kanton Zürich, 2012)

Lärminfo 19: Arbeitshilfe Frag die Fledermaus - Fünf Werkzeugkästen zur Klangraumgestaltung (Fachstelle Lärmschutz Kanton Zürich, 2013)