Struktur und Gliederung

Bei geschickter Anwendung der Struktur und Gliederung kann verhindert werden, dass die Wand allzu monoton oder wie ein Fremdkörper wirkt. Äusserst wichtig ist aber zugleich, dass dies nicht in eine optische Spielerei ausartet. Einfache, unkomplizierte Strukturen sind immer zu bevorzugen. Homogene Oberflächen ordnen sich besser ins Ortsbild ein als solche mit zusätzlichen Gestaltungselementen oder auffälligen und strassenfremden Strukturen.

Struktur

Eine schlichte horizontale oder vertikale Linienführung ist erwünscht, die sich optimalerweise in allen Lärmwandelementen fortsetzt. Normalerweise ungeeignet sind diagonale Strukturen, da sie sich selten gut ins vorhandene Ortsbild integrieren. Ziel ist es, die Lärmwand so weit zu beleben, dass sie nicht so gesichtslos wirkt wie beispielsweise eine reine Sichtbetonwand.

Holzlärmwand mit dazwischengeschalteten Diagonalelementen ist hier aus drei Gründen abzulehnen:
- Diagonalen wirken prinzipiell unruhiger
- Ein Element mit Fischgrätmuster verstärkt diesen Eindruck zusätzlich
- Die Kombination mit horizontalen Linien wirkt nicht nur sehr unstetig, es fehlen auch sowohl Übergang als auch eine Begründung dieser 'Abwechslung'.

Farbgebung

Die Eigenfarben der Materialien wirken natürlicher als Schutzanstriche. Wird überhaupt Farbe eingesetzt, so sollte sie gut zur Umgebung passen. Es ist möglich mit Material- und / oder Farbwahl gezielt Farben der direkten Umgebung aufzugreifen. Es ist dabei aber das Gewicht auf eine ruhige, unaufgeregte Art zu legen – Harmonieren statt Kontrastieren

Weiss gestrichenes Mauerwerk als Lärmwand, farblich passend zur Bebauung.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)

Gliederung

Um Monotonie zu vermeiden, ist eine weitergehende Gliederung häufig sinnvoll. Zwei Optionen stehen dabei offen: Abwechslung des Materials oder Variation der Geometrie. Beides kann jeweils in Längs- oder Höhenrichtung geschehen. Wie schon bei Farbe und Struktur ist aber auch hierbei Zurückhaltung beim Ausschöpfen der Möglichkeiten angebracht. Es empfiehlt sich, die Gliederung vorhandener Elemente des Strassenraums aufzugreifen. Auf jeden Fall sollten bei einer Längengliederung die Abschnitte nicht zu kurz gewählt werden, da sonst ein zu unruhiger Eindruck entsteht. Von der Verwendung von mehr als zwei verschiedenen Materialien ist nach Möglichkeit abzusehen.

Die Wandkrone kann bei Gefälle entweder dem Gelände folgen oder aber gestuft horizontal verlaufen. Auf übrige Gestaltungsmöglichkeiten ist generell zu verzichten, dazu gehören Variationen in Form und Farbe.

Die Längengliederung, kombiniert mit etwas Bewuchs in den Nischen, lässt diese Lärmwand aus Drahtschotterkörben weniger schwerfällig und eintönig erscheinen.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)
Bei dieser Lärmwand sind mehrere Arten der Gliederung zu erkennen:
- vertikale Abstufung
- unterschiedliche Höhe der Lärmschutzelemente
- unterschiedliche Längen der Wandabsätze
- Höhengliederung der Wanddicke

Die Folge ist eine unruhige Wirkung, wozu die Strukturierung in Längs- (Natursteinsockel) sowie Höhenrichtung (Holz / Träger) weiter beiträgt.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)

Abschlüsse, Übergänge und Öffnungen

Oftmals vernachlässigt wird die Gestaltung von Anfang und Ende einer Lärmwand. Wenn sie sich an gleiches Material anschliesst, ist kein besonderer Übergang vorzusehen. Ist jedoch eine klare Änderung der Gestaltung, der Höhe oder des Materials auszumachen, wird ein bewusstes Einbinden in Form einer Übergangszone notwendig. Eine gleichartige Gestaltung von Lärmwänden über einen längeren Strassenabschnitt ist daher auch zur Reduktion solcher Stellen von Vorteil.

Lärmtechnisch ungünstig, jedoch zuweilen nicht zu vermeiden, sind Öffnungen, hauptsächlich für Fussgänger. Sie können mit einem grösseren oder kleineren Tor geschlossen werden, das einerseits in die Struktur der Lärmwand passt und andererseits dennoch deutlich erkennbar ist. Besser hingegen eignen sich überlappende Wände als Durchgang für Fussgänger.

Lärmwand aus Holz auf Natursteinsockel. Die Abwinklung im Verlauf erhöht den akustischen Schutz des Hauses und bildet zusammen mit dem Baum einen harmonischeren Abschluss. Die restliche Begrünung der Wand trägt zum stimmigen Eindruck bei.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)
Fehlender Übergang zwischen zwei Lärmwandabschnitten. Zudem ist die Notwendigkeit einer Veränderung der Gestaltung nicht nachvollziehbar und wohl nur auf den Übergang zu einem Grundstück eines anderen Eigentümers zurückzuführen.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)
Durchgang in einer Lärmwand mit Lavabetonelemnten mit Absorptionsvermögen. Die Abschnitte aus Glas wirken durchlässiger.

(Zur Vergrösserung auf das Bild klicken)

Links

Lärminfo 9: Siedlungsverträgliche Lärmschutzwände - Wie sind Lärmschutzwände zu gestalten? (Ausschnitt, Fachstelle Lärmschutz Kanton Zürich, 2009)
Lärminfo 9: Siedlungsverträgliche Lärmschutzwände - Welche Gestaltungsmittel stehen zur Verfügung? (Ausschnitt, Fachstelle Lärmschutz Kanton Zürich, 2009)