Materialien

Zum Bau von Lärmschutzwänden steht eine Vielzahl verschiedener Materialien zur Verfügung - alle mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen. Erwünscht sind unterhaltsarme, langlebige und nachhaltige Materialien wie z.B. Mauerwerk, Holz, Verputz oder Sichtbeton.

Beton

Das Material kann sehr gesichtslos wirken, was einerseits eine gewisse Unauffälligkeit, andererseits aber auch die Gefahr der Monotonie mit sich bringt - es bietet sich eine weitergehende Gliederung an. Begrünung hilft sehr dabei, das Aussehen etwas abwechslungsreicher zu gestalten und trägt dadurch viel zur Integration ins Siedlungsbild bei. Betonierte Flächen werden oft schnell mit Graffiti 'verschönert' – ein Sprayschutz wird notwendig.

Die Lebensdauer einer Betonwand ist mit 40 bis 50 Jahren recht hoch. Es müssen jedoch regelmässig Stützen und Elemente kontrolliert werden, was durch Begrünung allerdings erschwert wird.

Schallharte (glatte) Lärmwände reflektieren sehr gut den Lärm; Rippen hingegen sind hochabsorbierend. Dadurch können z.B. Probleme bei den Häusern auf der anderen Strassenseite vermieden werden, die sonst unter dem reflektierten Schall leiden können.

Eher seltene Lärmwand aus Sichtbeton, bebauungsseitig gesehen. Sie ist vollständig schallhart; man riskiert daher Probleme mit Schallreflexionen.

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Betonelementwand, vertikale Rippenstruktur.

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Absorbierende Lavabeton-Wand, horizontale Rippenstruktur.

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Mauerwerk

Genau wie Beton dauerhaft und unterhaltsarm. Es existiert eine Vielzahl an möglichen Ausgestaltungen: grosse oder kleine, geometrisch oder zufällig angeordnete Natursteine, flache oder hohe, gestrichene oder ungestrichene Backsteine mit kleineren oder grösseren Fugen, mit oder ohne Verputz… Es lässt sich daher kaum ein pauschales Urteil über die visuelle Wirkung fällen, jedoch sollte dafür gesorgt werden, gebiets- und bebauungstypische Steinarten zu verwenden.

Lärmwand aus Mauerwerk. Wie unschwer zu erkennen, ist Graffiti nicht nur bei Beton ein Problem.

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Schallabsorbierende Lärmwand aus Mauerwerk, an die Bebauung angepasst.

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Holz

Dieses Material besitzt den Vorteil, ökologisch zu sein und als 'natürlich' wahrgenommen zu werden, was zu einer höheren Akzeptanz der Lärmschutzmassnahmen führen kann. Es gibt verschiedene Gestaltungsoptionen, die sich häufig gut ins Ortsbild einfügen; zudem passt Holz im Allgemeinen gut zu bereits vorhandener Vegetation.

Holz hat eine geringere Lebensdauer als Beton, nämlich 20 bis 30 Jahre. Zudem müssen auch hier regelmässig Stützen und Elemente untersucht werden.

Der Sockel, meist aus Beton, zuweilen aus Mauerwerk, wirkt reflektierend. Hinter der Holzlattung hingegen kann Absorptionsmaterial eingebaut werden.

Reflektierende Holzwand mit horizontaler Gliederung und Metallträgern auf Betonsockel.

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Holzwand, vertikale Lattung. Halbrunde Holzlatten wurden auf eine Trägerlattung mit Mineralfaserplatten befestigt. Ein feinmaschiges Drahtgitter schützt das Absorptionsmaterial vor Schädlingsbefall.

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Teilabsorbierende Holzwand, horizontale Lattung. Eine Begrünung existiert hier zwar nicht, es wird aber eine ausreichende Struktur durch die ruhig und bestimmt wirkende Lattung und die leicht variierenden Holzfarben erreicht.

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Glas

Glas gilt als unauffällig und wird deshalb meist als 'Aufsatz' verwendet, beispielsweise auf einer Betonmauer. Jedoch müssen einige Punkte beachtet werden. Zum Einen muss je nachdem eine Reinigung vorgenommen werden; ausserdem wird nicht nur Schall, sondern auch Licht reflektiert, was bei der Planung berücksichtigt werden muss (Strassenbeleuchtung, Scheinwerfer, Sonnenlicht). Zum Anderen ist kein Sichtschutz vorhanden, sodass jedermann in die "Wohnstube" blicken kann. Desweitern spielt der Vogelschutz eine grosse Rolle.

Glaswand als Aufsatz auf einem Erddamm.

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Relativ typischer Aufsatz aus Glas auf einer Holzlärmwand. Die vertikalen weissen Streifen auf dem Glas brechen Reflexionen besser und führen die vertikale Strukturierung der Holzfläche weiter nach oben. Zusätzlich führen sie die vertikale Strukturierung der Holzfläche nach oben weiter und wirken daher optisch integriert.

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Kunststoff

Vorteilhaft ist das geringe Gewicht, als Nachteile sind allerdings UV-Empfindlichkeit und Versprödung aufzulisten. Somit sind Aussenmaterialien aus Kunststoff eher ungeeignet und werden kaum eingesetzt.

Metall

Metall ist in Siedlungen im Aussen- und Strassenraum immer vorhanden. Eine flächige Anwendung erinnert jedoch schnell an ein Industriegebiet und ist daher generell nicht als siedlungsverträglich zu bezeichnen; ebenfalls ungünstig sind grobe bzw. deutlich sichtbare Metallgitter. Möglich sind jedoch sichtbare Tragkonstruktionen in einer Wand aus anderem Material. Ökologisch gesehen kann vor allem Aluminium aufgrund des hohen Energiebedarfs bei der Herstellung bedenklich sein.

Diese Aluminium-Kassetten-Lärmwand wäre an einer Autobahn besser aufgehoben. Das Material passt nicht zur Bebauung und die Gestaltung lässt die Wand sehr monoton erscheinen.

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Detail einer Beton-/Glas-Lärmwand. Die Metallträger halten die schweren Glasscheiben in Position, treten in diesem Beispiel jedoch sehr ausgeprägt in Erscheinung.

Erde

Erde eignet sich zwar gut als Lärmdämmung, besitzt aber wenig Eigenstabilität und benötigen einen hohen Platzbedarf, sodass nur wenige geeignete Standorte in Frage kommen. Die Anwendung beschränkt sich daher auf Füllmaterial für Lärmschutzwände in Elementbauweise, sehr platzintensive Dämme sowie befestigte Dämme. Letztere sollten jedoch nicht übermässig steil sein, da sonst ein sehr unnatürlicher, wall-artiger Eindruck entsteht.

Diese Lärmschutzmassnahme passt eher zum Siedlungsrand. Eine besondere Gliederung ist normalerweise nicht notwendig, kann aber mit richtiger Bepflanzung durch Gräser und Sträucher erreicht werden. Die Lebensdauer beträgt ca. 50 Jahre; Erddämme wirken absorbierend.

Ein gut in die Umgebung integrierter Erddamm. Obwohl der Damm nicht besonders hoch und mit einer Steilböschung ausgebildet ist, besteht doch ein erheblicher Platzbedarf.

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Ein Erd-/Steinquader-Damm. Da auf der anderen Strassenseite bereits eine normale Lärmwand steht und eine beidseitige Kanalisierung der Strasse zu vermeiden ist, stellt der Erddamm eine gute Lösung dar: die Schrägflanke wirkt offener für Fussgänger und Velofahrer. Aus Platzgründen wurde eine einseitige Abstützung mit Steinen gewählt.

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Die natürlich mögliche Neigung von 2:3 ist bei diesem hohen und befestigten Steildamm überschritten. Statt natürlich wirkt der Damm massiv und schwer und erinnert an einen Verteidigungswall.

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Drahtschotterkörbe

Steine in Drahtschotterkörben wirken teilabsorbierend. Der visuelle Eindruck ist im Vergleich zu den anderen Materialien aufgrund der Tiefe der Steinkorbelemente ziemlich massiv und 'schwer' – die Integration ins Ortsbild ist damit nicht immer gegeben. Eine passende Farbwahl der Natursteinfüllung ist sehr wichtig; Kombinationen mit anderen Materialien sind möglichst zu vermeiden, da sich meistens kein optisch stimmiger Effekt ergibt.

Die Lebensdauer einer solchen Wand ist ähnlich wie bei Betonwänden: 40 bis 50 Jahre, Unterhalt ist jedoch kaum notwendig.

Diese Mauer aus Drahtschotterkörben wirkt schwerfällig und massiv, dazu kommt, dass weder Material noch Farbwahl auf die Bebauung abgestimmt sind.

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Diese Drahtkorbwand ist unter dem Bewuchs kaum mehr zu sehen. Rechts im Bild ist aber zu erkennen, dass die Wand eine Stufung als Höhengliederung aufweist.

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Links

Lärminfo 9: Siedlungsverträgliche Lärmschutzwände - Welche Gestaltungsmittel stehen zur Verfügung? (Ausschnitt)
Lärminfo 15: Favorisierte Typen von Lärmschutzwänden