Soziale Anforderungen

Lärmwände können einige psychologische Effekte haben - auf Anwohner genauso wie auf Autofahrer und Fussgänger. Wenn die relevanten Faktoren nicht beachtet werden, kann es schnell dazu kommen, dass die Lebensqualität gesenkt statt erhöht wird.

Anwohner

Lärmwände trennen Häuser vom Strassenraum und schirmen sie ab. Bei Häusern, die stark auf diesen ausgerichtet sind, kann das zu einem Gefühl der Abschottung, der Gefangenschaft führen. Einen Einfluss darauf haben Gestaltung und Höhe der Lärmwand sowie die Distanz Haus-Lärmwand.

Beispiel einer Lärmwand, die aufgrund ihrer Höhe und Nähe zu den Häusern abschottend wirkt. Dass der oberste Teil aus Glas besteht, hilft in diesem Fall nur unwesentlich.

Bepflanzungen in Linie (Hecken) sind ein vertrautes Element der Kulturlandschaft. Werden entsprechend gestaltete Lärmwände gebaut statt Beton- oder Stahlwände, werden sie von Anwohnern eher toleriert. Dazu kommt auch, dass solchen Gestaltung ein höherer ökologischer Wert zugemessen wird. Allerdings können damit parallel auch höhere Erwartungen an die akustische Wirksamkeit gefördert werden, die von der Realität womöglich enttäuscht werden.

Psychologische Effekte können aber auch paradox sein: der Anblick einer Lärmwand kann statt eine beruhigenden Wirkung auszuüben, die mit Lärm verbundenen Ängste erst wecken. Es liegt jedoch auf der Hand, dass dies umso mehr zutrifft, je eher die Wand eindeutig als Lärmwand zu erkennen ist. Eine gute Integration ins Siedlungsbild ist daher von grösster Bedeutung.

Fussgänger

Lärmwände höher als 2m können bedrohlich wirken, wenn sie zu nahe am Trottoir stehen, zusätzlich wirkt ein 'Verdecken' der Umgebung desorientierend – Merkpunkte wie Kirchen u.ä. sollten auf jeden Fall sichtbar bleiben. Abhilfe schaffen kann eine Abstufung, d.h. eine Abfolge Trottoir – Rasen – Hecke – Wand, oder ein Aufsatz aus Glas, der dank Durchblick die empfundene Höhe reduziert.

Diese Lärmwand ist zwar etwas über 2m hoch. Da der Fussgängerraum jedoch grosszügig und freundlich gestaltet ist, entsteht trotzdem kein Eindruck von Bedrohlichkeit. Auf diese Wahrnehmung haben viele Faktoren einen Einfluss:
- Die Gestaltung wirkt relativ natürlich (Holz & Begrünung).
- Ein schmaler Grasstreifen trennt die Wand vom Trottoir.
- Das Trottoir ist sehr breit.

Autofahrer

Hohe, monotone und / oder 'nackte' Lärmwände ergeben das Gefühl und die Akustik einer Schlucht, besonders wenn auf der anderen Strassenseite beispielsweise hohe Häuser stehen. Das hat zwei Folgen: zum einen wird der Siedlungsraum als 'geschützt' oder aber überhaupt weniger wahrgenommen, was einen rücksichtsloseren Fahrstil fördert. Zum anderen können die Schallreflexionen zu einer 'sportlicheren', hochtourigen Fahrweise anspornen (--> lärm.ch/einfluss drehzahl). Als Gegenmassnahme empfehlen sich hochabsorbierende Wände, was allerdings die Gestaltungsfreiheit einschränkt.

Zusätzlich kann eine auf längerer Strecke gleichartige Lärmwand am Strassenrand zu einem 'Autobahngefühl' führen - die Monotonie beschleunigt den Verkehr.

Die Gestaltung dieser Lärmwand ist sehr anonym und identitätslos. Der Verkehr wird dadurch tendenziell beschleunigt, was die Wirkung der Wand vermindert.

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Filmbeiträge

Der Bau einer Lärmschutzwand ruft bei den betroffenen Anwohnern Befürchtungen und Erwartungen bezüglich ihrer künftigen Lebensqualität hervor. Erfahren Sie mehr in diesen Filmbeiträgen.

Links

Schriftenreihe Umwelt Nr. 318 - Lärm: Akzeptanz von baulichen Lärmschutzmassnahmen (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL, 2000)